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D A S S T Ü C K
Plakat DER ANSAGER EINER STRIPTEASENUMMER GIBT NICHT AUF

DER ANSAGER EINER STRIPTEASENUMMER GIBT NICHT AUF

von Bodo Kirchhoff

Michael Strack als Andreas

Michael Strack als Andreas

Sie betreten eine schummerige Bar. Leicht bekleidete Bedienung männlichen und weiblichen Geschlechts führt Sie sorgsam an Ihren Tisch. Ein unauffälliger Klavierspieler in der Ecke erschafft die notwendige musikalische Atmosphäre, und das prickelnde Glas Sekt sorgt für die Anfangslockerheit. Zum Anschauen von Haut und Härchen, von nackter Haut ist man gekommen, doch zunächst versichert man sich mit kurzen, schnellen Prüfblicken, keine bekannten Gesichter im Besucherkreis entdecken zu müssen. Man will unerkannt bleiben in dem kleinen Stripteaselokal und sehnt den Moment herbei, in dem die Show beginnt und das ohnehin spärliche Licht sich auf die kleine Bühne konzentriert. Der Musiker allerdings beginnt mit einem neuen Lied: „Fever! Never know how much I love you, never know how much I care, when you put your arms around me, I get a fever that`s so hard to bear...”, als wenn die Stimmung nicht schon ausreichend genug erotisiert ist. Flüsternd bestellt man ein weiteres Glas Sekt bei den diskreten Kellnerinnen und Kellnern.
Der Klavierspieler beendet sein Spiel. Vivaldi ertönt, das Licht auf der Bühne geht an, im Zuschauerraum,
Gott sei Dank, endlich aus. Ein Mann erscheint:

Michael Strack„Guten Abend meine Damen und Herren, Sie sehen den wohl letzten klassischen Striptease auf deutschsprachigem Boden, den anzusagen man sich nicht genieren muss; uns alle erwartet eine Person, die es weder nötig hat, das Datum ihrer Geburt noch den eigenen Namen zu ändern, die Sie getrost so nennen können, wie ihr Taufschein es vorsieht,
nämlich Andrea...”

„Erotik, meine Damen und Herren, ist eine Sache des Hirns, ganz besonders wenn es auf den Höhepunkt zugeht. Andrea besteigt dann, wie gesagt, diesen gewöhnlichen Holzstuhl, und steht dort oben etwas vorgebeugt da, praktisch gebückt, bekleidet nur mit ihrem Bändchen, und was dann folgt, verschlägt einem die Sprache...”

Michael Strack„Innerhalb einer Minute kann ja viel passieren, zum Beispiel ein Erdbeben, die dauern oft weniger lang, oder eine Hinrichtung. Es gibt wohl nichts Grauenvolleres auf der Welt als diese letzte Minute vor der eigenen Auslöschung, wo ja auch immer Leute zugucken, einfach dasitzen, wie Sie hier, die feuchten Hände geballt,
und warten, dass die Sekunden verrinnen, womit ich die Dinge nicht etwa vergleiche, Hinrichtung – Striptease...”

„Innerhalb einer Minute kann ja viel passieren, zum Beispiel ein Erdbeben, die dauern oft weniger lang, oder eine Hinrichtung. Es gibt wohl nichts Grauenvolleres auf der Welt als diese letzte Minute vor der eigenen Auslöschung, wo ja auch immer Leute zugucken, einfach dasitzen, wie Sie hier, die feuchten Hände geballt,
und warten, dass die Sekunden verrinnen, womit ich die Dinge nicht etwa vergleiche, Hinrichtung – Striptease...”


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Der Autor

Bodo Kirchhoff

Vita

1948 geboren in Hamburg am 6. Juli
1952 Geburt der Schwester
1955 Umzug der Eltern in den Schwarzwald
1959 - 1968 Internat am Bodensee; erstes Schreiben
1968 - 1970 Militärdienst; aus dem Schreiben wird Malen
1970 - 1971 USA- Aufenthalte; Rückkehr zum Wort
1972 - 1979 Studium der Pädagogik an der Johann Wolfgang Goethe- Universität, Frankfurt; Promotion
1982 Reisen nach Afrika, Asien und Südamerika; Reportagen für die Zeitschrift „Transatlantik”
1983 - 1984 Reisen in die USA und Mittelamerika
1986 - 1988 Reisen auf die Philippinen, Zeuge des Bürgerkriegs und der Revolution
1988 Geburt eines Sohnes
1989 - 1990 Villa Massimo-Stipendium
1991 Reisen in die USA und Nordafrika
1993 Geburt einer Tochter; Reisen nach Australien und Somalia
1995 Frankfurter Poetik-Vorlesung

Bodo Kirchhoff

„...In Goethes „Wahlverwandtschaften” finden wir eine Unterscheidung zwischen Unterhaltung und Zerstreuung. Diese gute und nützliche Unterscheidung ist offenbar vollkommen in Vergessenheit geraten. Goethes Begriff von Unterhaltung ging von der Idee einer gebildeten Konversation aus; unterhaltsame Literatur ist für ihn eine auf das Menschliche hinlenkende Form der Darstellung. Das übrige, das auf der Bühne oder in der Literatur seiner Zeit den größten Raum einnahm, betrachtete er als bloße Zerstreuung. An diese Unterscheidung müsste man sich heute unbedingt wieder erinnern. Ohne sie haben wir ein viel zu großes Raster:

Auf der einen Seite angeblich wertlose Trivialliteratur und auf der anderen so etwas puritanisch Strenges...
...Die typischen amerikanischen Action-Romane dienen der bloßen Zerstreuung. In diesen Büchern wird nie verweilt, diese Bücher haben, möglichst von Anfang an, ein hohes Erzähltempo, das den Leser auf nichts hinlenkt, sondern ihn nur von sich selbst entfernt, um ihn in eine Story zu schubsen. Deshalb betreiben diese Romane im wörtlichen Sinne Zerstreuung. Dagegen nimmt die unterhaltende Literatur, wie ich sie verstehe, den Leser an der Hand – nicht eisern, aber doch spürbar –, um ihn im Laufe der Lektüre auf etwas zu lenken, was nicht unbedingt von Anfang an seine Sache ist, was aber seine Sache durch das Buch werden kann...”

Michael Strack
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Der Schauspieler

Michael Strack

Michael Strack über Andreas:

„Meine erste Rolle, die es mir abverlangt, mich mit einer kleinen, hinreissend obszönen Bewegung unter dem Arm zu kratzen...”

BühnenszenenMichael Strack als Andrea/Andreas

geboren am 11. November 1962 um 11.07 Uhr in Bardenberg. Im wahren Leben Ingenieur und glücklich verheiratet... oder umgekehrt.

Im aixpertentheater:

  • u.a. Ernst (in Oscar Wilds Bunburry),
  • Volpone (in Ben Johnsons Volpone),
  • Manuel (in Calderon de la Barcas
    Dame Kobold),
  • Doc William (in Rene de Obaldias
    Dakota Cola),
  • Lakai (in Slawomir Mrozeks Auf hoher See) und
  • Alcest (in Johann Wolfgang Goethes
    Die Mitschuldigen).
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Das Ensemble

Ensemble Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf

v.links: Birgit Geuer, Brigitte Hillemacher, Michael Strack, Cordula Strack, Antje Heinicke


Andrea/Andreas Michael Strack
 

Pianist

Malte-Till Krohn

Animierdamen
und -herren

Marika Jungbluth, Annette Feldmann,
Cordula Strack, Torsten May

Leitung

Wolfgang Schmitz

Raumgestaltung

Franz Geuer

Kostüme

Susanne Offermann

Soufleuse u. Assistenz

Cordula Strack

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